Doku über Reparatur und Aufbereitung

Über geschenkte Radios freut man sich ja besonders, zumal dieses Radio vom Blogbesucher Johann stammt und er eine Nordmende Carmen 57 wieder hergerichtet haben möchte. Dieses Siemens Standardsuper C8 stammt aus seinem Familienbesitz und er überlässt es mir. Der Zustand ist natürlich sehr bedauerlich, aber reparabel. Mit etwas Glück bekomme ich aus einer Skalenscheibensammlung Ersatz dafür.

Siemens Standardsuper C8

Siemens Standardsuper C8

Sorgen macht mir nur etwas, dass der Stecker abgeschnitten worden ist. Ich hoffe, der Trafo ist noch in Ordnung, alles andere ist mit wenig Aufwand zu reparieren.

Siemens Standardsuper C8

der hat mal einen vor die Mütze bekommen

Der Lack ist etwas rissig und auch an der seitlichen Abdeckung (Gitter) ist etwas herausgebrochen, schade.

Siemens Standardsuper C8

in Mitleidenschaft gezogen worden

Der Innenraum im C8 gestaltet sich wieder siemenstypisch übersichtlich, nett der Antennenmast für die Ferritantenne!

Siemens Standardsuper C8

Innenraum vom C8

Rückwand ist vorhanden, nur die untere Abdeckung fehlt.
Mittlerweile habe ich eine Ersatzskalenscheibe bekommen, also kann es losgehen! Ich konnte einfach den traurigen Anblick der zerbrochenen Skalenscheibe nicht mehr ertragen, da dieses Radio im Regal der Bastel-Radio-Werkstatt steht.

Und los gehts! Formierung des Netzelkos sowie klassischer Kondensatorenwechsel.

Siemens Standardsuper C8

Chassis von unten

Leider zerfällt am Gehäuse die hintere untere Verbindung, sie trägt nun wieder zu Recht den Namen „Pressspanplatte“ 🙁 Hier werde ich neues Holz einsetzen.

Siemens Standardsuper C8

keine Festigkeit mehr

Interessant ist die Verschraubung der Schallwand, etwas anders als bei anderen umgesetzt:

Siemens Standardsuper C8

Befestigungswinkel der Schallwand

Der Lautsprecher hat eine Schaumstoffabdichtung, die nun auch völlig zerbröselt ist und nun ersetzt werden muss.

Siemens Standardsuper C8

keine Dichtung mehr vorhanden

Nun gab es lauter Kleinigkeiten zu machen, aber davon einen ganzen Sack voll:

– Ersatz der Lautsprecherdichtung durch Kordel

– Ersatz des alten Gleichrichters durch einen Siliziumgleichrichter

– Anpassung der Spannungen (5 Ohm vorm Netztrafo = 6,3 Volt Heizspannung bei 228 V Netzspannung, hinter dem neuen Gleichrichter reichten 120 Ohm aus, um die Sollspannungen laut Schaltplan zu erreichen)

– neue Gehäuseantenne eingebaut

– eine „gute“ EM80 eingebaut

– das zerbröselte Holz durch Einpassen einer neuen Leiste ersetzt (unterm Chassis)

– den fehlenden UKW-Zeiger durch Draht mit rotem Schrumpfschlauchüberzug ersetzt

– defekte Skalenscheibe ersetzen

Fertig! Jetzt sieht er nicht mehr traurig aus, die Messingteile habe ich nach dem Polieren mit Zaponlack überzogen, damit der Glanz lange anhält.

Siemens C8

das vorher-nachher-Bild

Siemens C8

Nicht so laut, Johanna!

Siemens C8

„Haste fein gemacht, Papa!“

Siemens C8

Mit der „Rolle“ lackiert

Siemens C8

Siemens C8

 

 

Technische Daten:

Produktionsjahr 1958–1960
6 Röhren: ECC85, ECH81, EF89, EABC80, EM80 und EL84
6 AM-Kreise + 10 FM-Kreise, 3 Lautsprecher mit 5 W, abschaltbare Ferritantenne
Gehäuseabmessungen (BHT): 570 x 350 x 220 mm, Gewicht 8,5kg
Originalpreis 299 DM

5 Antworten auf Ein zerdeppertes Geschenk

  • Diogenes

    Eine solide Kiste. Die Bemerkung „Siemenstypisch übersichtlich“ hat großen humorischen Wert. Eigentlich ist es nämlich nur ein aufgeblasener Kleinsuper; der recht gute Klang ist hauptsächlich auf das Gehäuse, recht ordentliche Lautsprecher und einen guten AÜ in Verbindung mit der EL84 zurückzuführen. Gut; die erweiterte Klangregelung tut noch etwas dazu.

    SKALENSCHEIBE:

    Oft ein großes Problem. Sollten jedoch die Bruchstücke vollständig vorhanden sein, so kann man die Scheibe selbst rekonstruiren. Alle Fragmente zusammenfügen, miteinander photographieren, die Bruchstellen retuschieren und eine Folie daraus drucken. Klarglas besorgen, Ausschnitte nach Schablone einbringen, Folie (von Innen) aufkleben – fertig.

    NETZTRAFO:

    Warum Tilo aus einem abgetrennten Netzstecker einen evtl. defekten Netztrafo assoziiert, ist mir nicht klar. Dennoch war diese Bemerkung gut, denn sie hat mich angeregt, etwas über die Trafos dieser Radios zu schreiben.

    Viele Rundfunkgeräte der damaligen Zeit hatten Umschalter für die Primärspannung.
    War die Umstellmöglichkeit auf 240 V~ vorgesehen, gibts keine (großen) Probleme. Einfach auf 240 V~ umstellen und in Ruhe Radio hören und schlafen gehen. (Stimmt nicht ganz; werde da noch drauf eingehen).

    Oft war aber der höchste Einstellwert 220 V~. Die 220 v~ Zeiten sind aber längst vorbei. Nichts läuft mehr unter 224 V~, meistens sogar 227 V~. Allgemein ist angestrebt worden, in Europa die Spannung mit den Jahren schrittweise bis auf 238 V~ anzuheben. Jedenfalls ist mir das so zugetragen worden. Tilo weiß es sicher besser; er ist ja bestens mit einem Stromhändler vertraut. (Kicher…)

    Diese „paar Volt“ können sehr gefährlich für die Röhren und die übrige Schaltung sein.

    Bei Geräten, die sich nicht höher als auf 220 V~ einstellen lassen, ist GRUNDSÄTZLICH eine Anpassung durchzuführen, die auf verschiedene Weise vorgenommen werden kann:

    1.) Die BESTE Lösung (Keine geräteinternen Veränderungen erforderlich) :

    Man besorgt sich in der „großen Bucht“ ein Vorschaltgerät; einen entsprechenden Stelltrafo nämlich. Damit meine ich ganz gezielt die Kisten aus der ehemaligen DDR. Im DDR-Jargon hießen diese Dinger (unzutreffender Weise) „Spannungsgleichhalter“. Das sind sie nicht; gleichhalten muß man dann schon selbst. Macht aber nichts. Es handelte sich um Spartrafos mit vielen Anzapfungen, so konnte „sekundär“ zw. etwa 170 – 240 V~ in 10 Schritten die geeignete Betriebsspannung über einen Wahlschalter gewählt werden. Diese Geräte hatten im Schnitt eine Belastbarkeit von 250 Watt. Man kann sie in der Bucht für 10,– bis 20,– Euro ergattern. Keine schlechte Sache; sieht sogar innerhalb einer Sammlung ganz gut aus. Ich selbst hab mir so ein Ding für meine Volksempfänger angeschafft. Keinerlei Anpassung innerhalb der Gerte nötig. Das ist wirklich die allerbeste Lösung !

    Sehr zu empfehlen !

    2.) Die ZWEIT-BESTE Lösung (muß aber evtl. von Zeit zu Zeit verändert werden, bei zunehmender Netzspg.)

    Anpassung innerhalb der Geräte:

    Netztrafo ist auf 220 V~ eingestellt.
    Phono-Taste drücken (absoluter Leerlauf)

    Heizspannung messen. Darf 6,35 V nicht überschreiten.

    Falls doch, einen geeigneten Vorwiderstand in die Heizleitung einbauen (ermitteln)
    (Achtung: Summe aller Heizströme der Röhren plus Ströme der Skalenbirnen und Maggiauge berücksichtigen !)

    Danach Anodenspannung (am ersten Elko, also direkt hinter Gleichrichter) messen und mit Daten im Schaltplan vergleichen. Zu hohe Spannung durch geeigneten Widerstand HINTER dem Gleichrichter absenken. Allerdings zuvor den Zustand des Elkos ermitteln; kann zu verfänglichen Messungen führen (Kapazitätsverlust)

    Bei Gleichrichter-RÖHREN kann es ganz spannend werden. Diese Problematik habe ich schon vor vielen Jahren abgestellt, weil ich das Hantieren mit dieser Gleichrichtungstechnik irgendwann restlos leid war. Es gibt natürlich die „Puristen“, die mich deshalb kritisieren; jedoch habe ich die besseren Ergebnisse erzielt.

    Es ist ganz einfach:

    Mit Dioden (1N4007), die Gleichrichterröhre sozusagen „überbrücken“, egal ob sie noch gut ist oder nicht. Die Röhre bleibt also im Gerät, (vorrausgesetzt sie hat weder Gas noch einen Schluß gebildet).
    Die Dioden bekommen (bei Zweiweg-Gleichrichtung) Anodenseitig je einen Vorwiderstand v. ca. 10 Ohm. Kathodenseitig (Kathoden sind hier zusammengefasst) wird ein Widerstand v. 100 Ohm (und evtl. mehr) in Reihe verwendet. Hier hilft „ausprobieren“, mit einem Poti gut zu machen. Immer die Spannung am ersten Elko im Auge behalten.

    Übrigens kann man auf diese Weise auch Brückengleichrichter entlasten bzw. ersetzen.
    (Allerdings ziehe ich es immer vor, diese einfach abzuklemmen. Diese Dinger können einen nämlich ganz schön ärgern…)

    Nach diesen Maßnahmen nimmt einem auch ein 220 V – Trafo die höhere Primärspannung nicht besonders übel; die Sekundärströme sind dafür ja nach diesen Maßnahmen kleiner..

    Nun -wie oben schon angekündigt- noch ein Hinweis bezgl. Trafos, die netzseitig auf
    240 V~ eingestellt wurden:

    Die Heizspannung und somit auch die Anodenspannung ist evtl. zu gering.

    Als erstes die Heizspg. messen. Ist sie unter 6,25 V, dringend Abhilfe schaffen ! Das ist in der Regel sehr einfach: Man tauscht die Skalenbirnen, die in der Regel 7V/300 mA haben, gegen 6,3V/100 mA aus. Die Skalenbeleuchtung wird zwar schwächer, aber man entlastet den Netztrafo um immerhin 400 mA ! Das kann zur Einpegelung der gesamten Heizspg. auf 6,3 V führen.

    Dann Anodenspannung prüfen. Durch die hochstromige Entlastung der Heizwicklung des Netztrafos wird wahrscheinl. auch die Anodenspg. angestiegen sein.

    Rest anpassen m. entsprechenden Widerständen.

    Es empfiehlt sich übrigens, für solche experimentellen „Ermittlungsarbeiten“ qualitativ hochwertige Potentiometer anzuschaffen.

    (Das spielt später in einem anderen Bericht auch bei der Anpassung von Lautsprechern noch eine deutliche Rolle.)

    Zum guten Schluß noch ein Hinweis, wie man an gut erhaltene „Originalersatzteile“ der 50er u. 60er gelangen kann:

    Es ist ein Prozeß, der mir anfänglich überhaupt nicht gefallen hat: Alte Tonbandgeräte kaufen und schlachten ! Das war eine grausige Vorstellung für mich. Allerdings bin ich inzwischen eines besseren belehrt und zum Fürsprecher dieser Methode geworden:

    Diese kleinen TB-Geräte will keiner mehr haben. (Die großen lasse ich außen vor).

    Die Gehäuse sind meistens ramponiert, die Motorlager ausgeschlagen, die Tonköpfe völlig abgenutzt. Also alles unbrauchbar..

    Aber: Gute Netztrafos, Gleichrichter, Elkos und Röhren kann man da rausholen, einschl. „Maggi-Auge“.

    Dazu Ausgangstrafos, Röhrenfassungen etc. Außerdem meist sehr lange Netzkabel mit anvulkanisierten Steckern, super fürs restaurieren von Radios.

    Die TB-geräte wurden schließlich deutlich seltener als Radios betrieben; alle elektronischen Bauteile sind daher oft in einem sehr gutem Zustand.

    Die Netztrafos lassen sich auch als Ersatzteil in Radios anwenden. Es geht ja hauptsächlich um die Betriebsdaten. Befestigungen lassen sich gut selbst ändern bzw. neu herstellen.

    Insbesondere die Maggiaugen sind interessant. Sie sind in der Regel kaum abgenutzt. Die EM84(mag. Band) läßt sich übrigens sehr gut 1:1 als EM85(mag. Fächer) einsetzen; vorausgesetzt man ist mit dem anderen u. schmaleren Leuchtbild einverstanden. Aber zumindest kann man für den Eigenbedarf die originale EM85, sofern sie noch gut ist, an die Seite legen und somit schonen. Die EM84 arbeitet dann als „Dummy“ in dem Radio.

    Die EM84 läßt sich auch anstelle der EM80 einsetzen; jedoch muß dann die Rö-Fassung umverdrahtet werde.

    Mit vielen Grüßen an alle,

    bis später

  • Avatar

    ich habe ein – nicht mehr funktionierendes – NORDMENDE-kofferradio TRANSIT zu verschenken. wer hat daran interesse? mir tut es einfach leid, diesen kameraden aus meiner jugendzeit (ich schätze, das radio ist etwa 40 jahre alt!?) in die tonne zu treten….
    schönen ersten advent und gruss aus bayern
    angela hannauer

    • Diogenes

      Hallo Angela,
      .
      tja, ich habe grade eben erst Ihr nettes Angebot zu sehen bekommen; schade !
      .
      Oder ist das Radio vielleicht doch noch in Ihrem Besitz?
      .
      Das wäre toll …
      .
      Obwohl es nach dieser langen Zeit eigentlich illusorisch ist, überhaupt noch zu fragen …
      .
      Viele liebe Grüße,
      .
      Diogenes

  • Avatar

    Hallo 🙂
    Ich habe ebenfalls das C8. Auch eigentlich in einem tadellosen Zustand. Doch leider hat es nach einer Zeit der Nichtbenutzung nun angefangen, von alleine während es läuft lauter und leiser zu schalten. Immer hin und her. Weiß jemand, was da kaputt sein könnte? Oder sogar, wie man das wieder beheben kann? Ich hänge sehr daran!
    Lieben Dank schon mal im Voraus und herzliche Grüße!

    • Diogenes

      Hallo und guten Abend Jana.
      .
      Schön, daß Sie noch solch ein Gerät besitzen.
      .
      Der „Tadellose Zustand“, den Sie sehen können, ist nur äußerlich. Das bezieht sich auf Gahäuse, Lack, Politur, Knöpfe etc. Aber das macht nicht das Radio an sich aus. Das Radio an sich ist ein hochkompliziertes elektronisches Gerät, welches aus hunderten aufeinander abgestimmten Bauteilen besteht, und diese altern natürlich.
      .
      Also muß ich zunächst dringend klarstellen, daß ein Radiogerät, welches deutlich älter als 50 Jahre alt ist, mit größter Vorsicht behandelt werden muß.
      .
      Es besteht sogar BRANDGEFAHR !
      .
      Das ist keine „Bangemacherei“, sondern bittere Wahrheit. Es sind schon Wohnungen und Häuser wegen eines zu leichtfertigen Umganges mit solchen Geräten (aus Unwissenheit) abgebrannt. Es muß nicht, kann aber geschehen, und diese Gefahr ist sehr groß.
      .
      Abgesehen von dem Defekt mit der schwankenden Lautstärke, den Sie nun bemängeln, muß ein solches Gerät GRUNDSÄTZLICH saniert werden !
      .
      Eine solche Sanierung umfasst zum einen die konsequente Erneuerung der Hochspannungskondensatoren, die Überprüfung der Röhren, der stromversorgenden Bauteile innerhalb des Gerätes einschl. Netztransformator, Lastwiderstände etc. Die Liste ist nicht kurz.
      .
      Sämtliche Schalter (Schaltkontakte), Röhrenfassungen und Regler müssen gereinigt und konserviert werden, insbesondere solche, die Netz- bzw. Hochspannung transportieren.
      .
      Zum guten Schluß muß unbedingt eine NETZSPANNUNGSANPASSUNG vorgenommen werden ! Diese Geräte waren ausgelegt und dimensioniert für 220Volt Wechselspannung. Inzwischen haben wir in Deutschland jedoch 230Volt, Tendenz steigend !
      .
      Diese Tatsache überlastet den Netztransformator und damit den Gleichrichter, die Elektrolytkondensatoren und sämtliche Röhren, was wiederum ein hohes Brandrisiko darstellt.
      .
      Ich empfehle DRINGEND, das Gerät von der Steckdose zu trennen und NICHT wieder in Betrieb zu nehmen, bevor die vorgenannten Maßnahmen nicht durchgeführt wurden.
      .
      Ich kann Ihnen nur wärmstens empfehlen, den Betreiber dieser Seite
      -Herr Tilo Graupner- um Hilfe dabei zu ersuchen. Sie können sicher sein, daß Ihr Gerät unter seinen Händen in einen Topzustand versetzt werden wird.
      Übrigens wird Sie anschließend der Klang überraschen; der steigert sich durch die Maßnahmen nämlich enorm, etwa zum Neuzustand.
      .
      Ich selbst bin im Ruhestand und arbeite nicht mehr als Radio- & Fernsehtechniker. Rein hobbymäßig berate ich noch und unterstütze Menschen, die sich mit dieser „Dinosaurier-Technik“ befassen.
      .
      Mit freundlichen Grüßen, Diogenes

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