Der flache Fürther

Das lange und flache Design ist charakteristisch für das Grundig Konzertgerät 4090 HiFi Zauberklang, das fehlte mir ja auch noch in meiner Grundigsammlung. Ich nutzte die Gelegenheit in Kassel gleich zwei dieser Radios „an Land zu ziehen“. Bei einem fehlten die Lautsprecher, aber das Gehäuse sieht besser aus und für 10.- € kann man da nichts falsch machen. Also werde ich aus den Zweien ein vernünftiges und komplettes machen.

Grundig 4090
Grundig Konzertgerät 4090 HiFi Zauberklang

Interessant auch wieder das Wunschklangregister, der „Equalizer“ von damals. Auch hier freue ich mich schon auf den Klang dieses Grundigs.

Grundig 4090
das Gehäuse ohne größere Macken

Bei Nachforschungen über das Gerät stieß ich schon auf andere Reparaturberichte und man kann schon erahnen, dass hier wieder viele Kondensatoren zu wechseln sind, das kann ja wieder eine Materialschlacht werden!

Grundig 4090
ganz schön viel Platz im Inneren

Das Chassis ist sehr geräumig, was der Servicefreundlichkeit entgegenkommt.

Grundig 4090
Chassis des Grundig 4090
Grundig 4090
Blick auf die Rückwand des 4090er

Technische Daten:

Produktionsjahr: 1956/1957
9 Röhren: ECC85, ECH81, EBF89, EAA91, EM34 oder EM35, EC92, ECC83, 2x EL95
8 AM-Kreise + 13 FM-Kreise
4 Lautsprecher – Ausgangsleistung 7 W
Gehäuseabmessungen (BHT): 710 x 360 x 310 mm

Schaltplandownload hier
(Bedanken in Form eines Kommentares nicht vergessen)

6 Gedanken zu „Der flache Fürther“

  1. Kleiner Tipp zu diesem Gerät; eine Röhre ist aus Abschirmungsgründen etwas tiefer ins Chassis gebaut. Das Blech, auf dem die Röhrenfassung sitzt, verliert gerne mal den Kontakt zum „Mutterchassis“. Eine Drahtbrücke kann helfen. Ich benutze das Gerät mit einem original Zusatzlautsprecher als Schreibtisch-Musik-Box am PC (es steht rechts auf der Schreibtischkante zur Wand hin) . Der Klang erinnert zusammen mit dem großen Zusatzlautsprecher tatsächlich an die Musikboxen der 60er Jahre: Da kommt was raus!.

  2. Die Service-Unterlagen welche ich auf bastel-radio.de kostenlos herunterladen konnte sind von hoher grafischer Qualität. Dies hilft mir entscheidend bei der Restaurierung eines Grundig Konzertgerät 4090 HiFi Zauberklang. Vom ursprünglich im Geräteinnnern beigelegten Schaltplan habe ich leider nur eine minderwertige Kopie, welche aber die Betriebsmittelkennzeichen (C2…C88, R1…R72 usw.) enthält. Ich beabsichtige diese in den bei bastel-radio.de kostenlos heruntergeladenen Stromlaufplan zu ergänzen. Zum Austausch der ausfallgefährdeten Rollpapier-Kondensatoren ist es sehr hilfreich diese vorher mit ihren Betriebsmittelkennzeichen zu beschriften. Für eine geordnete Ersatzteilbestellung ist dies nahezu unerlässlich. Wirklich teuer wird es wohl erst bei der Erneuerung des magischen Auges (EM34 bzw. EM35) werden. Hier wird wohl nichts anderes übrig bleiben als bei Ebay etwas geeignetes zu ersteigern, mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken.

  3. Habe heute auch einen Zauberklang 4090 aus einem Haufen Schutt geborgen. Habe leider von Röhrenradios ABSOLUT keine Ahnung. Angesteckt, UKW funktioniert, Beleuchtung der Skala defekt, Gehäuse angekratzt. gibt es nähere Infos über das Baujahr etc.???

    1. Guten Tag Herr Gutzmer,
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      zunächst einmal „Herzlichen Glückwunsch“ zu dem Fund dieses außergewöhnlichen und leistungsstarken Rundfunkempfängers !
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      Dieses Gerät kann man schon als „Ikone“ bezeichnen.
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      Gebaut wurde es zw. 1956 u. 1957, es ist mit einer GEGENTAKT-Endstufe ausgestattet und einer höchst aufwändigen Klangregelung versehen, nämlich einem echten 5-Bannd-Equilizer !
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      Es handelt sich eindeutig um ein erhaltenswertes Gerät, dessen Aufarbeitung sich wirklich lohnt. Nach einer vernünftigen Sanierung u. Aufbereitung hält es erneut Jahrzehnte ! Auch moderne Tonquellen (Audioquellen) wie CD-Player, I-Phones, MP3-Player etc. lassen sich ohne Probleme mittels einem geeigneten Adapter daran anschließen; Sie werden staunen, wie gut das klingt.
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      Jedoch haben Geräte dieser Baujahre ein hohes Gefahrenpotential; die TEER- und WACHS- KONDENSATOREN !
      Diese sind im wahrsten Sinne BRANDGEFÄHRLICH und MÜSSEN ausgetauscht werden, ohne „Wenn u. Aber“. Das ist physikalisch schon einleuchtend und ich weiß es auch aus mehr als 50 Jahren Berufserfahrung.
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      Eine Inbetriebnahme ist nicht ungefährlich und sollte AUF KEINEN FALL vorgenommen werden, bevor die Risiko-Bauteile nicht ersetzt wurden.
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      HINWEIS: Selbst wenn die Kondensatoren nicht gleich zu brennen anfangen, können sie mit größter Wahrscheinlichkeit die kostbaren Röhren und Transformatoren irreversibel zerstören. Innerhalb von Minuten.
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      Ferner stellen der GLEICHRICHTER und die Elektrolytkondensatoren (Lade-Elko u. Sieb-Elko) eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar: Der Gleichrichter neigt zu internen Kurzschlüssen und kann überhitzen, die Elkos können im Ernstfall explodieren.
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      Sie sollten also das Gerät auf KEINEN FALL nochmal anschließen u. einschalten.
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      Wie Sie schrieben, haben Sie keinerlei Kenntnisse von dieser Technik. Ich kann Ihnen also nur dringend empfehlen, einen Fachmannn zu Rate zu ziehen. Damit meine ich keinen „Elektriker“, „Telefontechniker“ oder „Computer-Elektroniker“; das muß schon ein ausgebildeter, älterer „Radio- u. Fernsehtechniker“ sein, der vor 1975 seine Ausbildung abschloß. Diese Techniker wissen genau, worauf es ankommt.
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      Danach besitzen Sie ein hochwertiges Sammlerstück, was alltagstauglich ist und Ihnen sehr viele Jahre Freude bereiten wird.
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      Ich hoffe, Ihnen habe helfen zu können,
      viel Erfolg mit diesem wundervollen Gerät !
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      Mit freundlichen Grüßen,

      Diogenes (Radio- u. Fernsehtechniker i.R)

  4. Guten Tag an alle Radioliebhaber,
    ich habe im Nachlass meines Vaters zog Röhrenradios gefunden.
    Darunter auch dieses zauberhafte Röhrenradio.
    Der Stecker war schon ausgetauscht und von innen war es wie geleckt.
    Hab es frohen Mutes ins Wohnzimmer geschleppt und nun läuft und leuchtet es.
    Ein Augen und Ohrenschmaus…….
    Nun hab ich die Kommentare gelesen….., einen Wohnungsbrand braucht kein Mensch.
    Da mein Vater aber ein begnadeter Radiobastler war, gehe ich davon aus des es in
    Ordnung ist.
    Falls jemand in der Nähe von Bielefeld wohnen sollte, wäre ich trotzdem dankbar,
    wenn jemand mal drüber schauen könnte. Ich möchte sicher sein, auch wenn ich die Geräte nie alleine laufen lasse…..

    Über Nachrichten freue ich mich….
    Liebe Grüße,
    Claudia

    1. Guten Tag Claudia,
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      soeben habe ich Ihren Beitrag gelesen und sehe mich gehalten, Ihnen dazu etwas wesentliches mitteilen zu müssen.
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      Aber zunächst einmal beglückwünsche ich Sie zu diesem ungewöhnlichen und außerordentlich interessanten Rundfunk-Großsuper der besonderen Art und Klasse, auch wenn der Anlaß zum Besitz ja eher ein trauriger ist; mein Beileid …
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      Ich kannte Ihren Vater nicht und kann also seine Fähigkeiten auf dem Gebiet der Funkelektronik u. Radiotechnik nicht einschätzen bzw. beurteilen. Aber ich kann Ihnen versichern, daß es sogar gelernte Radio- & Fernsehtechniker(!) gibt, die die Notwendigkeit der Erneuerung bestimmter Kondensatoren nicht kennen oder sogar wider besseres Wissen schlicht verleugnen.
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      Aber meist ist es die weit verbreitete Unwissenheit, die dazu führt, daß diese Kondensatoren nicht erneuert werden. Auch nicht zu unterschätzen ist die teils sehr knifflige Arbeit, die damit zusammenhängt und dazu führt, daß die alten Kondensatoren lieber verbleiben, solange das Gerät noch „arbeitet“. Da schlägt dann die Bequemlichkeit zu…
      .
      Aber es gibt noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Punkt, der sehr wichtig, aber weitestgehend unbekannt ist: Die Anpassung an die „neue“ Netzspannung.
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      Bis Anfang der 1980er Jahre konnten wir auf eine relativ stabile Netzspannung von 220Volt an jeder Steckdose vertrauen.
      Und genau auf diese -damalige- Netzspannung sind alle Geräte ausgelegt.
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      Nun hat sich das aber geändert und wir haben bundesweit eine Netzspannung von 230Volt; also 10 Volt mehr.
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      Das heißt, Ihr Radio bekommt jetzt 10Volt zuviel, und DAS hat schlimme Folgen, die man nicht unmittelbar erkennen kann.
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      Ich versuche es mal verständlich darzustellen:
      Das erste Bauteil in dem Gerät, welches die Netzspannung zugeführt bekommt und zu verarbeiten hat, ist der NETZ-TRANSFORMATOR (kurz: Netz-Trafo). Dieser wandelt die ihm zugeführte Spannung (Primärspannung) in einem strikt festgelegtem ÜBERSETZUNGSVERHÄLTNIS in exakt definierte Betriebsspannungen (Sekundärspannungen) um, die dann die nachfolgenden Bauelemente versorgen.
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      Nun bekommt der Netztrafo 10Volt mehr als vorbestimmt; und was geschieht dann?
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      1. Der Netztrafo SELBST wird mit zu hoher Spannung betrieben, was seine Arbeits-Temperatur steigen läßt. Das kann schon -grade bei einem über 60 Jahre alten Bauteil- die Isoliermittel schädigen. Auch verändert sich das Magnetfeld.
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      2. Da der Trafo ein feststehendes Übersetzungsverhältnis zw. Primär- und Sekundärspannungen hat, steigen also auch diese unerlaubt hoch an. Das überlastet den Gleichrichter, evtl. die darauf folgenden Elektrolytkondensatoren (kurz: ELKO) und weitere in dieser Kette befindlichen Bauteile, die ebenso alt und nicht dazu ausgelegt sind.
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      3. Nicht zuletzt die RÖHREN ! Röhren sind immer schlechter zu beschaffen und werden immer teurer; hier muß der Verschleiß eher verringert als erhöht werden, aber genau DAS geschieht nun: Die Röhren haben einen HEIZFADEN, durch den eine Röhre überhaupt erst arbeiten kann. Bei Wechselstromempfängern ist die HEIZSPANNUNG ebenso definiert wie die Spannungen am Netztrafo. Die übliche Heizspannung der Röhren beträgt 6,3Volt. (sechs KOMMA drei !). Nun bekommt sie aber ca. 6,8 Volt; eindeutig zu viel, was den Verschleiß deutlich beschleunigt.
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      Fassen wir zusammen:
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      Der Trafo selbst wird überfordert und zu warm.
      Der Gleichrichter wird strapaziert und zu warm, nachfolgende Bauteile ebenso.
      Die Röhren nehmen Schaden.
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      Das Einzige, was man dagegen tun kann ist, eine individuelle „Netzspannungs= anpassung“ durchzuführen, ohne wenn und aber.
      Dazu muß das Gerät in die Hände eines erfahrenen Radio- & Fernsehtechnikers oder eines Technikers, der diese speziellen Kenntnisse dazu in geeigneter Weise erworben hat.
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      So leid es mir tut; ein einfaches „drüberschauen“ reicht da wirklich nicht aus…
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      Ich hoffe, Sie fühlen sich jetzt nicht „Vor den Kopf gestoßen“; das wahr ganz sicher nicht meine Intention.
      Vielmehr halte ich es für meine Pflicht, auf diese Dinge aufmerksam zu machen und vor allem, Schaden abzuwenden.
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      Noch ein Zusatz: Sie sagten, das Gerät sähe innen aus wie geleckt. Das ist zwar sehr schön und begrüßenswert, aber leider völlig bedeutungslos. Selbst wenn das Gerät 1956 , ohne jemals benutzt worden zu sein, bis heute lediglich aufbewahrt worden wäre, so sind diese Kondensatoren ganz sicher schadhaft und gefährlich. Und nicht vergessen: die Sache mit der „neuen“ Netzspannung und die dringend erforderliche Anpassung daran.
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      Viele Grüße
      Diogenes

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