Die verfremdete Sinfonie

Mehrere kleine Veränderungen bemerkte ich an dem auch aus Paderborn stammende Graetz Sinfonia 4R 221, da war ein kleiner Schalter an der Rückwand und auch der Tonbandeingang wurde schon auf 5-polige DIN-Buchse umgebaut. Nach dem Öffnen der Rückwand konnte man schnell erkennen, was der kleine Schalter bedeutet. Ein kleiner Schalter für sparsame Leute!

Graetz Sinfonia 4R 221

Graetz Sinfonia 4R 221

Die obere umlaufende Zierleiste verdeckt die Öffnungen zu einer Art Zwischenboden, an dem 2 Hochtöner und ein Mittentöner von unten angebracht sind.

Graetz Sinfonia 4R 221

Rundstrahl – Raumklang

Das Gehäuse weist leichte Kratzer auf, die aber leicht zu kaschieren sind. Leider fehlt ein kleines Stück Furnier an der Vorderseite, das macht mir da schon mehr Sorgen.

Graetz Sinfonia 4R 221

leichte Gehäuseschäden

Graetz Sinfonia 4R 221

die Rückwand mit dem ominösen Schalter

Graetz Sinfonia 4R 221

vom Schalter zur EM34

Um das magische Auge, die EM34, zu schonen, baute der Vorbesitzer einen Schalter zur Deaktivierung dieser „kostbaren“ Röhre ein. Diese Technik verwendeten schon komerziell die Radiohersteller in dem einen oder anderen Modell, z.B. dem Wega 302.

Graetz Sinfonia 4R 221

die Graetz Sinfonia 4R 221 von innen

Graetz Sinfonia 4R 221

Röhrenbestückung

Graetz Sinfonia 4R 221

die eingebaute DIN-Buchse vom Vorgänger

Technische Daten:

Produktionsjahr 1955/1956
7 Röhren: ECC85, ECH81, 2x EF89, EM34, EABC80, EL84
8 AM-Kreise + 13 FM-Kreise
4 Lautsprecher, Ausgangsleistung 5 W
Gehäuseabmessungen (BHT): 664 x 416 x 305 mm, Gewicht 16 kg
Originalpreis 398.- DM

Und hier der Schaltplan als zip-Download.

6 Beiträge zu “Die verfremdete Sinfonie”

  1. Niemeyer Andreas sagt:

    Hallo!!
    Ich besitze seit kurzen auch ein Graetz Sinfonia 4R. Bei dem Radio sitzen die kleinen Höchtöner
    in den Ecken und unter der Decke hängt ein fast so großer Lautsprecher wie an der Frontwand.
    Das Radio hat einen eher hell bis mittelbraunes Gehäuse. Es war leider in einem sehr verdreckten Zustand und ein ungeschickter Sprayer hatte mit silberner Felgenfarbe hantiert und das rechte untere Viertel total eingesrüht . Bis auf ein paar silberne Sprengler im Holz habe ich es wieder sauber bekommen. Die Zierleiste hat ein wenig gelitten da die Farbe partou nicht weg ging. Die Skala habe ich auch wieder sauber bekommen. Die Funktion ist gegeben, auf UKW ist der Emfang nicht so umfangreich wie ich es gewohnt bin. Bei LW,MW und KW hörte ich während des Betriebs ein untypische Knistern im Inneren und habe sofort auf UKW umgeschaltet.
    Nur das zu dem Thema Graetz Sinfonia 4R .

    Haben Sie interesse an einem Telefunken Concertino 8 (Röhrenradio) aus einer Truhe ?
    Die Truhe war in einem sehr schlechten Zustand. Das Radio ist so gut wie ging entstaubt und
    Tastatur und Reglerknöpfe sind alle heile. Technisch sollte es mal überholt werden.
    Radio funktioniert bestens. Es ist bereits schon verpackt, da ich es schon des öfteren versucht habe zu Verkaufen. Zum Verschrotten ist es wohl noch zu Schade.
    Können mir ja mal einen Kaufvorschlag machen mit Preisangabe.
    Mfg Andreas

  2. Diogenes sagt:

    Die in der Tat inzwischen „kostbar“ gewordenen mag. Augen durch Abschaltung zu entlasten, halte ich für durchaus legitim.
    Wenn man als Gerätehalter diese Geräte hier und da laufen läßt, achtet man ja sowieso nicht auf das mag. Auge. Soll es also einfach „Aus“ bleiben.
    Außerdem ist jederzeit -sollte ein Fremder das Gerät kaufen wollen- diese Schaltung rückbaubar.

    Frohes Basteln und viel Glück mit allen verfügbaren „Maggiaugen“…

  3. Hermann sagt:

    Ich habe auch seit kurzem so ein Radio.Es spielt aber nur auf UKW und auch nur mit Stottern.Schalte ich am Bandbreitenschalter geht gar nichts mehr.
    Die EL84 ganz links ist teilweise mit so einem weißen Belag überzogen, wenn es kein Glas wäre, würde ich sagen Korrosion, kann es ja nicht sein.
    Kann mir jemand sagen, für welche Funktion diese Röhre ist.
    MfG
    Hermann

    1. Diogenes sagt:

      Guten Tag Herr Herrmann,

      schönen Dank für Ihre Anfrage.

      Ganz LINKS ist keine „EL84“, die ist ganz RECHTS. Die „EL84“ ist die Endverstärkerröhre.

      Ganz LINKS ist die „EF89“ vorgesehen und natürlich auch vom Hersteller dort verbaut.

      Wenn in der Fassung der „EF89“ nun eine „EL84“ steckt, dann hat sich da jemand einen (bösen) Scherz erlaubt.

      Abgesehen davon: Eine Röhre mit einem inneren weißen Belag ist grundsätzlich DEFEKT. Es handelt sich tatsächlich um Korrosion, und zwar aus folgenden Gründen:
      Eine Elektronenröhre ist eine Vakuum-Röhre.
      Während der Fertigung einer Elektronenröhre wird unter bestimmten Vorraussetzungen und Umständen die Luft aus dem Röhrenkolben abgesaugt. In diesem Zusammenhang wird das sogenannte „Getter“ aktiviert. An einer Stelle innerhalb des Glaskolbens entsteht dann ein silbrig/schwarzer Belag, „Getterspiegel“ genannt. Das Getter hat u.a. den Sinn, im Kolben vagabundierende Gase -u.a. Sauerstoff- aufzunehmen und zu binden.

      –>Ein Röhrensystem funktioniert nur unter striktem und absoluten Ausschluß jeglicher Sauerstoffverbindung!

      Tritt nun durch eine Beschädigung des Glaskolbens (z.B. Haarriß) nach und nach, oder bei Glasbruch auch plötzlich, Luft in den Kolben ein, so oxydiert der Getterspiegel und wird weiß. Korrosion eben.

      Damit ist die Röhre sofort total defekt und somit völlig unbrauchbar, ja, sie kann in diesem Zustand sogar Schäden im Gerät verursachen.

      Ich schlage Ihnen folgende Vorgehensweise vor:

      –> Überprüfen Sie als allererstes die Anordnung der Röhren in Ihrem Gerät. (Röhrenbezeichnungen und Position der Fassungen, in denen diese stecken, der Anordnungsplan befindet sich außen auf der Rückwand des Gerätes)

      –> Beschaffen Sie sich eine Röhre „EF89“ als Ersatz.

      –> Führen Sie unbedingt die „Kondensator-Sanierung“ durch. Damit schützen Sie das Gerät vor weiteren Schäden und sich selbst vor lebensgefährlichen Stromschlägen. Auch mindern Sie damit die Brandgefahr, die Wohnung, Haus und andere Menschen zu schwerem Schaden bringen kann.

      Mit besten Bastelgrüßen …

      1. Hermann sagt:

        Da habe ich mich komplett falsch ausgedrückt, aus lauter Freude über das Radio alles durcheinander geworfen.
        Rechts sitzt die EL84 Endverstärkerröhre, inzwischen habe ich das Radio so weit, dass es auf allen Bändern zumindest in Teilbereichen Sender findet.
        Der weiße Belag auf der EL84 befindet sich nicht innen, sondern außen am Glas, ist keine Farbe, so wie kalkhaltig.
        Ansonsten werde ich als Nächstes eine Demontage zur Komplettreinigung machen.
        Haben Sie vllt einen Tip zur Instandsetzung der Zugmechanik der verschiedenen Bandanzeigen, die rutschen ab und zu ein bisschen durch
        Beste Bastelgrüße

        1. Diogenes sagt:

          Hallo Herr Herrmann,

          damit ist ja eine falsche Anordnung bzw. eine Fehlbestückung der Röhren schonmal vom Tisch. Gut.

          Ihre berechtigte und sehr wohl -gut- verstandene Freude an dem Gerät in allen Ehren: Aaaber hier sieht mir das alles schon nach einer ungebremsten Euphorie aus ! Mit solchen brisanten alten technischen Geräten darf man jedoch nicht sorglos umgehen !

          Es irritiert mich, daß Sie nicht auf die „Kondensatorkur“ eingehen; diese ist nämlich das WICHTIGSTE ! Ihre Anmerkung, das Gerät erst jetzt demontieren zu wollen -zwecks Reinigung- zeigt mir deutlich, daß Sie bisher nur einiges „probiert“ haben.

          Bitte -im eigenen und dem Interesse des Gerätes- „probieren“ Sie NICHTS mehr !

          Schalten Sie das Gerät BITTE NICHT MEHR EIN !

          Nehmen Sie das Chassis aus dem Gehäuse, reinigen Sie alles.
          Aber trocken !

          Danach WECHSELN SIE BITTE ALLE KONDENSATOREN !

          Wenn Sie das Gerät jemals wieder mit den alten Kondensatoren ans Netz legen, riskieren Sie Beschädigung der Röhren, Überlastung von Widerständen, Zerstörung der Gleichrichterstrecke, Zerstörung des Netztrafos !

          Ferner besteht LEBENSGEFAHR durch defekte Entstör-Kondensatoren, die unerlaubte Netzspannungsanteile an das Chassis transportieren können. Dadurch können Sie einen erheblichen elektrischen Schlag bekommen, den Sie u.U. nicht überleben !

          Insgesamt besteht auch eine erhebliche BRANDGEFAHR durch die alten Kondensatoren ! (Bei manchen Geräten sogar in ausgeschaltetem Zustand !)

          Elektrolytkondensatoren, sogenannte ELKOS, können sogar EXPLODIEREN ! Wenn Sie in diesem Moment mit dem Gesicht in der Nähe eines Elkos sind, können Sie erhebliche Verbrennungen und den VERLUST DES AUGENLICHTS erleiden ! Auch ein Hörsturz / eine Trommelfellschädigung ist möglich

          Das sind alles keine „Späße“; sondern die sehr ernstzunehmende REALITÄT !

          Da ist die mangelhafte „Zugmechanik“ erstmal drittrangig. Die setzt keine Häuser in Brand, auch verletzt und tötet sie keine Menschen.

          Mit glimmenden Heizfäden und glühender Hoffnung auf eine erfolgreiche Gerätesanierung, angeführt von einer Kondensatotorkur, ziehe ich mich mal wieder in mein Faß zurück,,,

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