Doku über Reparatur und Aufbereitung

Von meinem treuen Bastel-Radio-Freund Diogenes bekam ich eines Tages ein schweres Paket, schwer zu heben und vor allem schwer, mir das Wissen über den Umgang mit einem Philips Messgenerator GM2889 anzueignen, denn hier geht es nun um das Wobbeln. In Verbindung mit einem Oszillographen ist es hiermit nun professionell möglich, Durchlasskurven und Diskriminatorkennlinien von UKW- und Fernsehempfängern auf einem Oszillographen darzustellen und Abgleicharbeiten nach der jeweiligen Herstellerangabe und -anleitung durchzuführen.

Philips GM2889

Philips Messgenerator GM2889

Neben dem theoretischen Wissen, wonach mir nun dürstet, muss der Wobbelsender natürlich vorher auch wieder „flott“ gemacht werden, also Elkos, Kondensatoren usw.

Philips GM2889

Leider befinden sich zum Messsender keinerlei Zubehör, kein Stecker oder Tastkopf. Philips verwendet hier koaxiale Stecker und Buchsen, die vermutlich nicht mehr zu beschaffen sind. Da wird es sicher leichter sein, das ganze auf BNC-System umzubauen.

Philips GM2889

Philips GM2889

Klar, erst mal aufschrauben und reingucken! An der Rückseite des in Hammerschlag lackierten Gehäuses befinden sich vier Muttern, wenn die abgeschraubt wurden, kann der GM2889 an der Frontplatte aus dem Gehäuse gezogen werden.

Philips GM2889

Man sieht direkt das große Lochblech, das als Abschirmung über das gesamte Chassis verschraubt ist.

Philips GM2889

Blick von unten

Philips GM2889 Philips GM2889

Technische Daten:

Produktionsjahr 1958     Kategorie: Service- oder Labor-Ausrüstung
7 Röhren: 3xEC81, ECC81, EAA91, ECL82, PY82
2 AM-Kreise und 2 FM-Kreise
Gehäuse (BHT) 440 x 295 x 210mm, 17,2kg
Hauptoszillator durchgehend von 5-255 MHz, Modulation FM, AM oder FM+AM gleichzeitig, Eichoszillator für Steckquarze von 0,2-15 MHz, Frequenzmodulation des Hauptoszillators mit 50 Hz oder 400 Hz.
Originalpreis damals 1150.- DM

Downloads:

Schaltplan als pdf (<1Mb)
Bedienungsanleitung als pdf (8Mb)

Eine Antwort auf Ein Generator von Philips

  • Diogenes

    „Wunderba‘, endlich ist er da.“
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    Nach gefühlten 100 Jahren haben Sie dieses feine Gerät mal endlich auf den Bildschirm gebracht !
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    Richtig: Man muß viel lernen, um damit umzugehen, keine Frage.
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    Aber zuvor sollten Sie sich mit der OSZILLOGRAPHIE vertraut machen. In diesem Sinne hatte ich Ihnen -ebenso gefühlt vor100 Jahren- einen einfachen Labor-Oszi von „HEATHKIT“ zukommen lassen, den Sie natürlich auch zunächst hätten überarbeiten müssen. Damit können Sie dann fleißig üben; es ist gar nicht so „schwer“. Eine Fibel hatte ich Ihnen auch beschafft…
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    Wo ist denn dieses Gerät überhaupt ? Hmm ?
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    Fangen Sie mit der Oszillographie an. Wenn Sie das einigermaßen gut gelernt haben,
    können Sie sich auf einfache Hochfrequenzmessungen einlassen. Das ist sehr spannend… Nehmen Sie dazu ein funktionierendes Radio einfacher Bauart (mit Schaltplan u. Diagrammen) und legen Sie los.
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    Nun kommen wir nochmal auf den „Wobbler“ zurück:
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    Zur Aufbereitung sind nur wenige Maßnahmen erforderlich.
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    Hier muß man einsehen, daß Meßgeräte nicht so häufig in Gebrauch waren wie etwa Radio- u. Fernsehgeräte. Daher ist der Verschleiß eher sehr gering, trotz des gleichen Alters.
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    Aufgrund des langjährigen Stillstands jedoch (Ich nahm das Gerät ca. 1991 außer Betrieb) müssen schon einige Unternehmungen erfolgen.
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    An erster Stelle steht die Überprüfung der Lade- u. Siebelkos und ggfs. deren „Wiederbelebung“ in gewohnter Art und Weise.
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    Es ist sinnvoll, die Röhren zu prüfen. Es könnte sich Gasbildung bzw. Vakuumverlust ergeben haben.
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    Vor dem „Echten“ Prüfen der Röhren sollten diese zunächst für 3 – 4 Stunden lediglich beheizt werden, ohne Beaufschlagung der Gitter- u. Anodenspannungen. Während dieser reinen Aufheizzeit sollte man ab und zu mit einem halbfesten Gegenstand die Röhren beklopfen. Danach schaltet man die Heizspg. aus und läßt die Röhren für 30 Min. ruhen, um anschließend die „Echte“ Prüfung durchzuführen. (W19). Röhren, die weniger als 85% Emission aufweisen, sollten ersetzt werden. Diese Röhren sind übrigens noch zu moderaten Preisen erhältlich.
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    Nur bei der Netzgleichrichterröhre „PY82“ muß man aufpassen: Hier sollte im Falle eines Defekts NIEMALS die beliebte „Röhren-Dioden-Ersatzschaltung“ angewendet werden ! Sollte eine „PY82“ nicht erhältlich sein, so kann eine „PY83“ unter Änderung der Anschlußbelegung eingesetzt werden. (Bei Fragen bitte melden)
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    Die übrigen Kondensatoren sollten lediglich einseitig abgelötet und gemessen werden. Nicht pauschal erneuern, nur im notwendigen Falle !
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    Zum guten Schluß:
    Es ist sinnvoll, die Anschlußbuchsen gegen „BNC-Buchsen“ zu tauschen; die Kontakte sind besser und man bekommt vorkonfektionierte Industriekabel sehr leicht im Handel.
    Evtl. individuelle Tastköpfe muß man sich allerdings in jedem Falle selbst anfertigen.
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    Und nun viel Spaß mit diesem feinen Gerät !
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    Diogenes,
    mit vielen Grüßen aus dem Faß …

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