Doku über Reparatur und Aufbereitung

Mein Radio-Sammlerfreund Klaus aus Köln besuchte mich und brachte mir was tolles mit: einen Grundig 5066 , über den ich mich als Grundig-Fan wieder riesig gefreut habe! Eine Dynamik-Expanderschaltung, Gegentaktendstufe und eine großzügige Lautsprecherbestückung machten mich schon ziemlich neugierig, wie er sich denn wohl anhört? Aber zuvor natürlich erst einmal die Überholung und Bestandsaufnahme dieses Grundigschiffes!

Grundig 5066

Grundig 5066

Helleres Holz und weniger Messing läuten das Ende der 50er Jahre mit diesem Design ein, das Radio wurde 1958/59 produziert.
Grundig 5066 Grundig 5066

Auch hier läßt sich mit Ausdauer und diversen Reinigungsmitteln und Möbelauffrischern das Gehäuse ohne größere Probleme wieder ansehnlich machen, der Fleck auf der Oberseite läßt sich auspolieren.

Grundig 5066Grundig 5066

Im Inneren unberührte Technik, alles ist noch original, kein Rost zeugt von trockener Lagerung. Nun mußte ich meinen Reparaturständer bis zur „letzten Rille“ aufschieben, damit das lange Chassis darauf passt.

Grundig 5066 Grundig 5066

Das Wunschklangregister benötigt wie gewohnt einen roten Ersatzfaden, da der originale völlig zerbröselt ist – ein 4-fach Equalizer.

Grundig 5066

Eine bunte Mischung kritischer Kondensatoren – vom Malzbonbon bis zum modern aussehenden und trotzdem schlechten Neokon – nach dem Motto „Alles muß raus!“.

Grundig 5066 Grundig 5066 Grundig 5066

Nachdem die „bösen“ Kondensatoren durch neue ersetzt wurden, ging es ans Hochfahren am Trenntrafo, um nun alle Spannungen zu messen und mit dem Schaltplan zu vergleichen. Es stellte sich heraus, dass der Gleichrichter 40 Volt zu wenig abgibt und dieses auch mit Abwärme signalisierte. Wie bei Sieb- und Ladeelko bevorzuge ich auch hier das System der Neubefüllung. Dazu schneide ich das Gehäuse des alten Gleichrichters mit dem Rohrschneider auf, räume in leer und baue einen Siliziumgleichrichter ein.

Grundig 5066

der neue Gleichrichter

Damit die hohe Einschaltspannung etwas abgefedert wird, habe ich auf der Wechselspannungseingangsseite 4,7 Ohm eingesetzt. Da der Innenwiderstand des neuen Siliziumgleichrichters geringer als der originale Selengleichrichter ist, muss hier in die Gleichspannungsstrecke unbedingt auch ein Lastwiderstand hinter GR eingebaut werden, dessen Größe durch Probieren ermittelt wird.

Grundig 5066

alles schön isolieren und mit der Heißklebepistole verschließen

Grundig 5066

 

Durch Probieren ermittelte ich einen Bedarf von 90 Ohm, um die geforderte Anodenspannung zu erreichen. Anschließend passte ich das Radio primärseitig an die nun herrschende Netzspannung von überwiegend 233V mit Hilfe eines Hochlastwiderstandesan, in diesem Falle werden 47Ohm benötigt, damit die Heizspannung 6,3V beträgt.

Grundig 5066

Grundig 5066

Leider stellte sich heraus, dass das originale Lautstärkenpotentiometer (2 MOhm) defekt war, beim letzten Drittel Richtung leiser gab es Unterbrechungen und Brumm. Als Ersatz fand ich nur ein lineares Poti ohne die 2 Anzapfungen, was ich nun eingebaut hatte. Da es kein logarithmisches Poti ist, ist es fast Millimetersache beim Leiserdrehen zwischen Stille und leichte Zimmerlautstärke. Vielleicht läuft mir bald das passende Potentiometer über den Weg, es läßt sich beim Grundig 5066 super wechseln.

Grundig 5066Der tolle voluminöse Klang und die verschieden beleuchteten Anzeigemodi gefallen mir sehr. Ich habe auch eine neue 6E5S inklusive Leuchtschirm-Vorwiderstand spendiert.
In der Dynamik-Stellung zieht das Radio bei leisen Passagen den Sound etwas lauter und dynamischer, was sicherlich Geschmackssache ist.

Technische Daten:

Produktionsjahr: 1958/59
9 Röhren: ECC85, ECH81, EF89, EBF89, EM34, EABC80, ECC83, 2xEL95
8 AM-Kreise + 12 FM-Kreise, 4 Lautsprecher
Gehäuseabmessungen (BHT): 670 x 400 x 280 mm, 14,3kg
Originalpreis damals 458.- DM

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.