Doku über Reparatur und Aufbereitung

Diesen außergewöhnlichen Fang eines Röhrenradios der 50er Jahre verdanke ich wieder meinem Sammlerkollegen und Freund Josef, ein Grundig 1098 in rot. Nicht nur die Farbe dieses Bakelitgehäusesfür diese Zeit ist ungewöhnlich, auch dass dieses Radio eine klappbare Tastensatzabdeckung besitzt, unterscheidet es gewaltig vom relativ einheitlichen Design der anderen Geräte zu dieser Zeit.

Grundig 1098

Grundig 1098

An diesem Radio ist sogar die Skale aus Kunststoff, die kleinen Kratzer lassen sich daher gut Auspolieren.

Grundig 1098

der kleine rote Grundig

Grundig 1098

mit Tastenabdeckung – geschlossen

Grundig 1098

Klappe geöffnet

Leider ist die Rückwand etwas in Mitleidenschaft gezogen, jedoch vorhanden.

 

Grundig 1098

Rückwand

Grundig 1098

Blick ins Innere

Technische Daten:

Produktionsjahr: 1959/1960
6 Röhren: ECC85, ECH81, EF89, EABC80, EM84, EL84
6 AM-Kreise + 10 FM-Kreise
Gehäuseabmessungen (BHT): 420 x 290 x 210 mm
Originalpreis damals 218.- DM

 

 

Eine Antwort auf Das feuerrote Spielmobil

  • Diogenes

    Ein Exot ! Herzlichen Glückwunsch !

    Das Gehäuse dürfte aus „Durolit“ o.ä. sein; nicht aus Bakelit. Bei diesem „modernen“ Kunststoff war es oft so, daß die Farbe im Material steckte, das heißt sozusagen „durchgefärbt“, Vollmaterial also.

    Das erleichterte enorm die Beseitigung von Kratzern; man mußte nicht neu lackieren.

    Besonders „chick“ war die weiße Version von dem Ding. Aber rot ist natürlich viel poppiger. Vielleicht begeistert sich ja die heranwachsende Radioexpertin Johanna dafür, so in 14 Jahren…

    Das Radio wirkt sehr klein. Aber so klein ist es garnicht. Man wird von der eigentlichen Größe abgelenkt, weil die axialen Bedienelemente seitlich angeordnet sind; das nimmt ca. 10 cm der üblichen Breite gleichartiger/ähnlicher Geräte, wie etwa des Grundig 1097 bzw. 1099.

    Außerdem betrachte man einmal die Röhrenbestückung: Es ist die seinerzeit übliche Bestückung, sogar mit der kräftigen EL84 am Ende ! Betrachtet man die Schaltung, so entgeht nicht, daß die Verstärker-/Endstufe genauso aufwändig geschaltet ist wie bei einem „Großen“; Hohe Anodenspg., hohe Schirmgitterspg. (große Leistungsausbeute/Wirkungsgrad der Endröhre) und ein hochwertiger AÜ. Hinzu kommt, daß die Verstärkerstufe in Gegenkopplung aufgebaut ist; durchaus „HiFi“. Wohl hat man wegen des etwas „labberigen“ Gehäuses (schlechte akustische Resonazeigenschaften) auf eine Klangregelung verzichtet; hier werden nur über die Tasten „Sprache“ & „Musik“ feststehende Hoch- und Tiefpässe geschaltet.

    Nun kann man, wenn man mag, die verfügbaren Bässe etwas verstärken, indem man den Koppelkondensator zw. dem Triodensystem der EABC80 und dem Steuergitter der EL84 (C46) in seiner Kapazität nicht bei den serienmäßigen 10nF beläßt, sondern auf 12 – 15 nF erhöht. Das kann dann in die ohnehin notwendige Kondensator-Sanierung einbezogen werden. Ferner läßt sich an der Basswiedergabe bei diesem Gerät noch etwas verändern: Zwischen dem AÜ und dem Lautsprecher sind in beiden Leitungen Drosseln geschaltet. Wenn man diese mit jeweils einem Widerstand 1 – 1,2 ohm/3Watt überbrückt, kann Bassenergie gewonnen werden. Da muß man sich herantasten, weil die Bässe ja bei diesem Gerät -wie gesagt- nicht regelbar sind.

    Übrigens sind die in dem Gerät verwendeten Kondensatoren ganz üble Kameraden. Besonders muß auf die Entstörkondensatoren und solche, die von höheren Spannungen aus gegen Chassis geschaltet sind, geachtet werden; das Gerät hat lt. Schaltplan nur einen einpoligen Netzschalter! Das heißt, daß auch nur einpolig abgeschaltet wird und somit immer noch ein Leiter im Gerät „auf der Lauer“ liegen kann…

    Das Gerät ist schon größtenteils mittels einer Leiterplatte aufgebaut. Kritisch können die Lötanschlüsse der Endröhrenfassung sein (Da wirds nämlich richtig heiß!). Hier sollte man mittels Lötkolben und Lotsaugpumpe das Lot vollständig entfernen und die Anschlüsse sauber neu verlöten. Gelingt das aufgrund einer möglichen Oxidation nicht, muß die Röhrenfassung ausgebaut und deren Anschlußstifte abgeschliffen werden. Wenn dann eine Neuverzinnung gelingt, Fassung wieder einsetzen. Auf keinen Fall die Fassungen mit Benzin oder Kontakt 60 reinigen ! Die Phenolharzkörper können sich vollsaugen, wenn sie porös geworden sein sollten. Das führt zu Übergangswiderständen, die bei den hohen Spannungen tödlich sind.

    Auch sind hitzeerzeugende Lastwiderstände in der Nähe der EL84 verbaut; deren Platinenanschlüsse bedürfen ebenso besonderer Aufmerksamkeit. Auch hier kann ein Ausbau der Widerstände, Reinigung deren Anschlußdrähte, Neuverzinnung und Wiedereinbau erforderlich sein. Der Kathodenelko der EL84 sitzt nah an der Hitzequelle und ist sicherlich ausgetrocknet und sollte erneuert werden.

    Wenn nun die Kondensator- und Platinensanierung abgeschlossen ist, und wenn das Gerät zufriedenstellend arbeitet, muß noch die Netzanpassung durchgeführt werden. Bei diesem Gerät bietet sich genug Platz hinter der Trafoanschlußplatte an (Pertinax, wo die Steckplätze f. die Sicherungen sind) um einen 5 – 10 ohm/11 – 17 Watt Keramikwiderstand VOR den Trafo in Reihe zu schalten. Den Ohmwert muß man ermitteln –> An der Skalenbeleuchtung müssen exakt 6,3Volt~ anliegen. Das ist ein bequem erreichbarer Bezugspunkt zum Messen, ohne in der Verdrahtung herumwühlen zu müssen. Die korrekte Spannung der Skalenbeleuchtung ist Zeugnis für eine korrekte Heizspg. der Röhren, die aus der selben Sekundärwicklung des Trafos gewonnen wird. Anmerkung: Eine Unterspannung gefährdet die Röhren noch mehr als eine Überspannung. Aber beides ist eben schädlich, sodaß angepasst werden muß. Da die Anpassung vor dem Trafo stattfindet, ist dann auch gleichzeitig die Anodenspg. korrekt.

    Kleiner Röhrentip im allgemeinen: Man sollte sich mit EABC80 bevorraten; diese Röhre wird immer seltener und -natürlich- teurer! Gleiches gilt f. die EL84. Hier bietet sich die russische „6P14P“ an. Diese Röhre ist eins zu eins gegen die EL84 austauschbar. Aber auch hier ist Eile geboten: die steigt inzwischen ebenso unerbittlich im Preis.

    Nun viel Erfolg beim restaurieren,

    viel Spaß vom Faß

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