Doku über Reparatur und Aufbereitung

Bei der Auswahl aus der Radiosammlung in Kassel fiel mir der Siemens Super H 53 direkt ins Auge, die eckige Form mit den seitlichen linierten farblich abgesetzten Seitenleisten und auch die schräg angesetzten Füße heben sich deutlich von den andern Radios dieser Zeit ab. Und auch ein Siemens gehört schließlich auch in meine Sammlung!

Siemens Super H 53

Siemens Super H 53

Dafür, dass es jahrelang auf einem Dachboden gelagert wurde, sieht es noch ganz gut aus, die Firma Siemens & Halske hat schönes schweres Holz verbaut.

Siemens Super H 53

Gehäuse

Siemens Super H 53

Rückwandbeschriftung

Schön, dass es ein 3-D-Klang-Gerät ist, obwohl es am Radio nicht extra vermerkt ist.

Siemens Super H 53

Siemens Super H 53

Die runde Plastikdose ist der Netzspannungswähler

Die runde Plastikdose ist der Netzspannungswähler

Siemens Super H 53

Knopf ohne Madenschraube

Obwohl Siemens-typisch alles solide aufgebaut ist, werden die Knöpfe mit diesen Spangen befestigt, also ohne Madenschraube.
Am Chassis sind fast alle Kondensatoren angeklebt worden und halten bis zum heutigen Tag.

Siemens Super H 53

Chassis im Originalzustand

Siemens Super H 53

rechte Chassisseite

Siemens Super H 53

linke Chassisseite#

Siemens Super H 53

alle kritischen Bauteile habe ich nun gewechselt

Oben links der bipolare Elko für die Hochtöner hat noch seine originalen Werte und kann daher noch bestens verwendet werden.

Siemens H53

Hochlastwiderstand für die Netzanpassung

Um auf die Heizspannung von 6,3V bei unserer derzeitigen Netzspannung von 230V zu erreichen ist es notwendig, in die Netzzuleitung einen Hochlastvorwiderstand einzubauen. Hier am H53 ließ es sich optimal zwischen Sicherungshalter und Trafo-Primäreingang einbauen. Vor der Sicherung sitzt an diesem Modell der Netzschalter. Im Foto links daneben sieht man die beiden neuen hellblauen Entstörkondensatoren und die Reste des Klebers am Chassis, wo einst die originalen befestigt waren. Die originalen Kondensatoren hatten schon ihre originalen Werte verloren und es bestand die Gefahr, dass diese „durchschlagen“ und somit ein Kurzschluss auf das Chassis herrscht – also raus damit!

Leider fehlt eine Ecke an einer Abdeckung der seitlichen Hochtöner, mal sehen, was man da machen kann, wenn ich keinen Ersatz auftreiben kann.

Schade! - da fehlt ein Stück.

Schade! – da fehlt ein Stück.

Übrigens hat Siemens einen Skalenhintergrundschirm verbaut, der über die gesamte Breite reicht!

Siemens Super H 53

Kunststoff-Skalenhintergrund

Nun werde ich das Gehäuse abbeizen und mit Hartöl neu beschichten. Während dieser Durchgänge werde ich das Chassis reinigen und die Mechanik schmieren. Man kommt von unten super an die Tastensätze, um die Kontakte zu reinigen.

Siemens Super H 53

Fertig!

Irgendwie muss ich mich im Regal vergriffen haben: die originalen Streifen links und rechts müssen eigentlich einen Braunton besitzen. Dummerweise habe ich die goldenen genommen, Mist!

Siemens Super H 53

Siemens Super H 53

 

Technische Daten:

Produktionsjahr: 1955/56
8 Röhren: 2x EC92, ECH81, EF89, EM80, EF80, EABC80, EL84
8 AM-Kreis + 12 FM-Kreise
3 Lautsprecher, Ausgangsleistung 5 W
Gehäuseabmessungen (BHT): 60 x 42 x 26 cm

Schaltplan gesucht !!!

7 Antworten auf Siemens Super H 53

  • Hallo Tilo,

    ich habe auch so ein Röhrenradio Super H 53 gekauft für 20 Euro.
    Es stand lange Zeit im Keller und war sehr verschmutzt.
    Ich habe es auseinander genommen und gereinigt soweit es ging. Nach nochmaligen einschalten nach der Reinigung wollte es nicht mehr spielen. Vorher hatte ich es kurz ausprobiert und es spielte.
    Weist du wo man den Schaltplan von diesen Super H 53 herbekommt.
    Werde das Gehäuse jetzt noch mit Walnussöl bearbeiten.
    Grüße,
    Christian

  • Ich hab auch so ein „H53“ auf dem Tisch.
    Zu allen Reparaturen steht mir bevor, dass das Antriebsseil für die Senderabstimmung
    sich in Fetzen aufgelöst hat.
    Hat vielleicht jemand einen Seilplan zum neu verspannen der Senderabstimmung?
    Wolfgang.

  • Hallo Tilo,
    Ich habe mir auch einen H53 angeschafft.
    Kannst du mir sagen, wozu der gelbe „Schlauch“ dient, der an einem Elko angeklebt ist (5. Bild)?
    Hältst du den Hochlastwiderstand zur Netzspannungsanpassung für unbedingt erforderlich?
    Ich hab übrigens den Stromlaufplan im Original. Noch Bedarf?

    Grüße, Dominik

    • Diogenes

      Guten Abend Herr Dominik,
      .
      s e l b s t v e r s t ä n d l i c h ist die Netzspannungsanpassung z w i n g e n d erforderlich !
      .
      Die Notwendigkeit ist hinlänglich erläutert; die Heizspannung für die Elektronenröhren darf auf keinen Fall 6,3 Volt ÜBERSCHREITEN ! Sie darf aber auch nicht UNTERSCHRITTEN werden. Eine leichte Überschreitung von etwa 0,15 Volt (+/= 6,45 Volt) ist grade noch vertretbar. Wenn Ihnen dieser geringfügige Aufwand des Einbaus einer Netzanpassung zu viel sein sollte, riskieren Sie den vorzeitigen Verschleiß der inzw. sehr kostspieligen Röhren.
      .
      Der gelbe Schlauch ? Schauen Sie mal genau hin …
      .
      Viel Spaß beim „Basteln“,
      .
      Diogenes

      • Danke für die schnelle Antwort:
        Damit ich nicht als kompletter Depp dastehe, folgendes zu meiner Verteidigung:
        Zur Netzspannungs-Thematik: Ich messe bei mir 225,8V. Das Ergibt mit einem Dreisatz 6,466V Heizspannung, also fast in den von dir genannten Grenzen. Deshalb die Nachfrage.
        Die angesprochene Elko wurde bei mir vom Vorbesitzer getauscht und die gelbe Schlauchleitung liegt lose im Gehäuse, ich kann nicht mal ein Drahtende erkennen, das mal wo angeschlossen war, deshalb ist mir dieser Punkt unklar.

  • Diogenes

    Guten Tag Herr Dominik,
    .
    Mehrere Dinge sind zu berücksichtigen:
    .
    1.) Sie haben also per „Momentaufnahme“ 225,8 V~ Netzspg. ermittelt. Das ist nicht repräsentativ. In der Regel liegt in Deutschland weit verbreitet eine Spg. v. 230 V~ (und höher !) an.
    Eine Langzeitmessung ist die richtige Methode, um die niedrigste u. höchste Netzspg. zu ermitteln.
    Am besten wäre es, Sie messen die verfügbare Netzspg. nach einem Zeitplan, wie z.B. morgens um 6:00, dann 8:00, … 10:00 usw. Interessant sind die Abend- u. Nachtstunden.
    Notieren Sie die Ergebnisse und finden Sie die Spannungen heraus.
    .
    2.) Es ist nicht sinnvoll, mit dem Dreisatz zu arbeiten. Sinnvoller ist es, die Heizspg. DIREKT zu messen; der Einfachheit halber können Sie diese an der Fassung einer Skalenlampe abgreifen, ohne sich in den Drahtverhau unterhalb des Chassis begeben zu müssen. (-> Die Skalenlampen sind i.d.R. unmittelbar mit dem Heizkreis verschaltet.)
    DIESE Spannung macht die tatsächliche Aussage. Sie müssen wissen, das Transformatoren einen Wirkungsgrad haben, der von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein kann. Hinzu kommt noch eine evtl. Schieflage durch Alterung des Trafos.
    Also: MESSEN HEIßT WISSEN. Das absolut Wichtigste ist nun mal die Heizspg. Anodenspg. kann man auch nachträglich anpassen, am besten mittels einer Widerstandsdekade.
    Reihenfolge: a.) Heizspg. (sek.) durch Netzspgs.-Anpassung (prim.) korrigieren.
    b.) Danach Anodenspg. kontrollieren u. ggfs. korrigieren. Beide Messungen sind nur dann zuverlässig, wenn SÄMTLICHE Röhren u. Skalenlampen in Betrieb sind u. das Gerät etwa 10 Min. bei mittlerer Lautstärke (UKW) gelaufen ist.
    .
    3.) Es gibt noch eine sehr elegante Lösung, die aber etwas kostet; diese Investition lohnt sich jedoch in jedem Falle:
    Aus ehemaligen DDR-Beständen kann man immer noch günstig sogenannte „Spannungsgleichhalter“ (automatische Anpassung) oder auch „Stelltrafos“ (manuelle Korrektur) in Online-Auktionshäusern erstehen. Diese Geräte haben einen Fangbereich von ca. 180V~ bis 240V~ (+/-), und das Ziel, 220V~ sekundär zu erreichen; und waren zu DDR-Zeiten sozusagen „Standart“, weil sich seinerzeit die Netzspg. sehr häufig änderte.
    Fast jeder Endverbraucher hatte ein solches Gerät. Es gibt noch jede Menge davon.
    Natürlich sind auch diese Geräte inzwischen in die Jahre gekommen u. benötigen zumindest eine Reinigung und Überprüfung der tatsächlichen Funktion. Der Rest ist einfach.
    .
    Suchen Sie mal danach…
    .
    Viel Freude noch am Basteln,
    schönes Wochenende wünscht
    .
    Diogenes

  • Lieber Diogenes,

    die kühne Behauptung, dass die Heizspannung „auf keinen Fall 6,3 Volt ÜBERSCHREITEN darf“ schwirrt regelmäßig durch das Internet. Sie ist allerdings falsch und wird durch häufiges Kolportieren nicht richtiger.
    Schaut man in die seinerzeitigen Spezifikationen der Hersteller, findet man z.B. im Valvo-Röhrenhandbuch 1961-62, Seite 22 die Aussage, dass die Heizspannung bedingt durch Serienstreuung des Netztrafos und dessen Spannungsanzapfungen die Heizspannung um +/- SIEBEN Prozent abweichen darf und unter dieser Bedingung ZUSÄTZLICH Netzspannungsschwankungen von +/- ZEHN Prozent zulässig sind! Im ungünstigsten Fall darf die Heizspannung also um +/- 17,7 Prozent abweichen.

    Noch etwas: Wer häufig Röhrenradios betreibt, die sich nicht höher als 220 V schalten lassen, schalte einfach einen simplen Trafo 230V/12…18V/1A, den man als heruntertransformierenden Autotrafo (Sek-Wicklung gegenphasig in Reihe zur Primärwicklung, Verbaucher an die Reihenschaltung) vor das Radio.

    Mit besten sammlerkollegialen Grüßen

    Herr K

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere